Ледяев / Степанов
11 Die Ausstellung „Die Kunst als lebendiges Spie- gelbild der vergangenen Epoche“ wurde zum 120. Geburtstag zweier hervorragenden Orenburger Ma- ler Nikolaj Michajlowitsch Ledjaew (1893-1974) und Alexander Fedorowitsch Stepanow (1891-1974) vorbereitet. Das Schaffen von beiden fiel auf die tra- gische Zeit in der Geschichte des Landes: die Okto- berrevolution 1917 und der darauffolgende Bürger- krieg, der Große Vaterländische Krieg (1941-45), die Entbehrungen der Nachkriegszeit. Die Werke von Ledjaew und Stepanow beinhalten die besten Traditionen der russischen realistischen Malerei. Für die beiden ist der aufmerksame Blick auf die Umwelt eigen, sie liebten ihre Heimat und waren treu den hohen Idealen der Kunst. In den Ledjaew ʼ s thematischen Bilder sehen wir den schweren Werkalltag des Orenburger Gebiets aus der Vor- kriegszeit. Später wendet sich Ledjaew der Land- schaftsmalerei zu und Stepanow widmet sich dem Stillleben. Die Maler suchten die Gattungen aus, die möglichst fern von der Ideologie waren, aber zur selben Zeit den künstlerischen Strebungen der beiden entsprachen. Das Stillleben und die Land- schaft, obwohl scheinbar aller historischen Einflüs- sen fern, sind geeignet, die emotionale Atmosphäre der Zeit, die Gefühle der Zeitgenossen wiederzu- geben. In den Werken von Ledjaew und Stepanow findet man eine höchst komplizierte Struktur der ge- sellschaftlich-sozialen, ethischen und ästhetischen Schwankungen des Volkslebens jener Jahre. Der Alltag der Zeit kommt in den Innenansichten des Hauses von N.M. Ledjaew, in der Askese der Möblierung mit einem obligatorischen Gummibaum im Topf. Aber das ist das Haus des russischen Inte- lektuellen mit Klavier und Bildern an der Wand. Un- ter der Gemälden ist auch das Porträt des im Kriege gefallenen Sohnes zu sehen – er ist in den ersten Tagen an der Front gefallen – helle klare Augen, dünnes Hals eines Kindes, umrahmt vom Kragen des Soldatenmantels. Der Schmerz und die Trau- er kamen in dieses Haus, obwohl, es ist auch kein Einzelfall. Der Schmerz und die Trauer verbinden. Die Landschaften von Ledjaew sind von sen- sibler Natur, sie sind still und rührend, er mochte die grauen Tage. Dabei ist die Natur die höchste Heilkraft. Die schönen Birken, gemütliche Waldlich- tungen, hoher Ufer von Ural – alles ist leicht zu er- kennen und rührt den Betrachter, aber es ist immer ein leichter Schlag der Trauer dabei. Wie der Maler das selbst erklärte: „Ich sehe diese Schönheit, die mich aufs Tiefste bewegt, ich sehe sie, kann aber nicht fassen… es geht irgendwie nicht… schade“. Das einwandfreie Geschmackgefühl, die leisesten Schattierungen der gedämpften Farben, die Be-
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